WISSENSCHAFTLICHE FORSCHUNG
Alkohol und der Körper
03/09/2008
ALKOHOL UND KEHLKOPFKREBS
Warum entwickelt der eine starke Alkoholtrinker Mund- und Kehlkopfkrebs und der andere nicht? Ein französischer Wissenschaftlicher, Paul Brennan, und seine Mitarbeiter haben dieses Mysterium zumindest teilweise aufgeklärt. Es handelt sich um die Anwesenheit von mindestens zwei Varianten eines Gens, die eine schützende Wirkung gegen Mund- und Kehlkopfkrebs ausüben.
Die Wissenschaftler untersuchten den Alkoholkonsum von 3 800 Personen mit Mund- oder Kehlkopfkrebs und verglichen die Resultate mit denen von 5 200 Testpersonen im selben Alter und mit demselben Lebensstil, die ebenfalls Alkohol tranken, aber nicht an Kehlkopf- oder Mundkrebs litten. Mehr als 70 % der Personen mit Mundkrebs trinken mehr als die empfohlene Alkoholmenge. Es ist schon länger bekannt, dass eine Gruppe von Genen mit dem Namen ADH (Alkoholdehydrogenase) bei der Entwicklung von Mund- und Kehlkopfkrebs eine Rolle spielt. Diese Gene erzeugen Körpersubstanzen, die beim Abbau von Alkohol helfen. Die französische Forschungsgruppe fand heraus, dass die Träger von zwei Varianten von ADH ein spürbar geringeres Risiko von Mund- und Kehlkopfkrebs verzeichneten. Die Wirkung nimmt mit der Menge des konsumierten Alkohols zu. Die betreffenden Genvarianten erweisen sich allerdings beim Abbau von Alkohol als hundertmal wirksamer. Dies bedeutet nicht, dass Personen, die übermäßig viel trinken, nicht an Mund- oder Kehlkopfkrebs erkranken können. Allein ihr Risiko ist geringer. Es ist darüber hinaus bekannt, dass sich Alkohol ebenfalls auf Brust-, Darm- und Leberkrebs auswirkt. Je mehr man vermeidet, zu viel zu trinken, desto geringer das Risiko, diese Krankheiten zu erleiden.
„Nature Genetics“, Paul Brennan e. a., Mai 2008, Vol. 40, No. 5
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