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DOSSIERS
Bier brauen nach einem Rezept aus dem 18. Jh
 Zielsetzungen
 Der Brauprozess
 Wissenschaftshappening in Bokrijk
 Wissenschaft ist nicht nur trockene Materie
 Das Paenhuys von Diepenbeek
 Wissenschaftliche Analyse eines historischen Brauprozesses (aus dem Jahr 1750)
 Quellen

Der Brauprozess

Wie das Brauen früher in einer "kleinen" Hausbrauerei vor sich ging, ist und bleibt für viele ein Rätsel. Wohl bekannt ist die Tatsache, dass der Brauprozess körperliche Schwerstarbeit war. Brauen war ein richtiges Handwerk, das auch durch Überlieferung erlernt wurde.

           

Das Brauen eines authentischen Bieres ist also nicht so einfach. In die unterschiedlichen Behälter (mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 3000 Liter) kommt zum Beispiel ein Mindestvolumen von 1500 Litern. Das wird von Hand umgefüllt, gerührt, gefiltert und gepumpt. Ausserdem muss mit Rührspateln gearbeitet werden, die jeweils ein Paar Kilo wiegen. Vielleicht ist die "schwere Arbeit" der Grund, aus dem das Experiment noch nie durchgeführt worden ist. In Bokrijk wurde letztendlich eine Mannschaft von 17 Personen bereitgefunden.

Um den Brauprozess möglichst nah mitverfolgen zu können, dürfen die Mitarbeiter der Universität Antwerpen auf dem Gelände des Freilichtmuseums übernachten, denn der ganze Prozess wird fast 72 Stunden dauern. Das ganze Verfahren wird Schritt für Schritt ausgeführt: Vom Mälzen über das Filtern bishin zum Hopfen. Auch die Besucher werden die Brautätigkeit beobachten können. Der ganze Brauprozess wird also rund um die Uhr von Forschern der Universität Antwerpen und von leidenschaftlichen Hausbrauern mitverfolgt werden.

Im nachstehenden Schema finden Sie die unterschiedlichen Phasen des Brauprozesses. Der meist aromatische Zeitpunkt ist gegen 16 Uhr geplant, dann wird das Bier mit Hopfen versetzt.

Nach viel Schwitzen und Malochen folgt dann endlich eine Gärung im Bottich. Auf dem Jungbier bildet sich eine schaumige Schicht obergärige Hefe. Das Bier wird ein buntes Sammelsurium von Mikroorganismen enthalten, die dem Bier alle ihre eigenen typischen Geschmacksstoffe geben werden. Tausend Liter Bier wird anschliessend in Holzfässern gelagert, 300 Liter gehen zwecks Analyse an die Universität Antwerpen. Das Bier wird nach den unterschiedlichen Gär- und Reifeperioden im Labor der Universität untersucht werden.

 |Oben|

Schema

Dass das Brauen von Bier nach altem Rezept kein Kinderspiel ist, merkt man spätestens, wenn man sich den nachstehenden Zeitplan anguckt:

4 Mai

7 Uhr Den Braukessel füllen und auf 80° C heizen.
9 Uhr Aus zerquetschtem Malzmehl und lauwarmem Wasser die Maische herstellen.
Malzmehl ist in Wasser geweichtes Getreide (meistens Gerste), das man erst im Keller keimen und anschliessend auf einem Speicher trocknen lässt.
12 Uhr Die verzuckerte Maische aus dem Maischbottich in den Filterbottich umfüllen.
13 Uhr Die Maische filtern und das Würzeextrakt in den Kochkessel umfüllen.
15 Uhr Die Würze kochen, bis eine sterile Flüssigkeit entsteht.
16 Uhr Hopfen hinzufügen und die Würze 6 Stunden kochen lassen. Hopfen gibt dem Bier den typischen bitteren Geschmack und fördert die Haltbarkeit und die Helligkeit des Bieres.
22 Uhr Erneut Hopfen hinzufügen für den guten Geschmack.
Das Feuer löschen und die gehopfte Würze im Braukessel abkühlen lassen.
24 Uhr Die Würze ins Kühlschiff pumpen.


5 Mai

10 Uhr Die Würze filtern, Hefe hinzugeben und die Würze 48 bis 72 Stunden gären lassen, bis das Gemisch nicht mehr trübe ist. Dann ist das Bier geboren.


Weitere Pflege am 6., 7. und 8. Mai

  • Bildung einer dicken Schaumschicht auf der Würze.
  • Nach ungefähr 72 Stunden sinkt die Hefe nach unten.
  • Das Bier in Fässer umfüllen, damit es reifen kann.

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