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Bier brauen nach einem Rezept aus dem 18. Jh Wissenschaftshappening in Bokrijk Während des Wissenschaftshappenings, der am 13. Oktober 2001 stattfand, haben Forscher der Abteilung Biochemie der Universität Antwerpen zum ersten Mal im Freilichtmuseum Bokrijk Bier gebraut. Diese Demonstration des Brauverfahrens erfolgte im gerade vorher renovierten Paenhuys, das aus dem 18. Jahrhundert stammt. Ziel war es, mit einer einfachen Braukonfiguration nachzuweisen, dass die eher "geheimnisvolle Welt der Biochemie" auch Dinge aus dem täglichen Leben in sich birgt (wenigstens für die Lebensgeniesser unter uns). Diese Veranstaltung hatte soviel Erfolg, dass die Konservatorin des Freilichtmuseums Bokrijk, Frau Boesmans, und die Verantwortliche der Bildungsabteilung, Frau Vaes, uns sofort vorgeschlagen haben, nicht nur im Paenhuys zu brauen, sondern dort wirklich das ganze Brauverfahren durchzuführen. Bis dahin hatte niemand sich getraut, die renovierte Brauerei und die sonstige Infrastruktur aus dem 18. Jahrhundert (diese stammt aus einer Brauerei in Hoegaarden) zu ihrem eigentlichen Zweck zu benutzen, nämlich um Bier zu brauen. Die Tatsache, dass man dann mit Holz heizen muss, dass man von Hand etwa 1500 Liter umfüllen, filtern und pumpen muss, dass die Heizmannschaft bereits um 6 Uhr morgens loslegen muss und dass es auch dann noch bis etwa Mitternacht dauern wird, bevor die Würze überhaupt fertig sein wird, das alles hat viele vor uns abgeschreckt! Weil man der Echtheit des Brauverfahrens wegen nicht mit modernen Hilfsmitteln eingreifen darf, stellte sich die Herausforderung für alle als zu gross heraus ... Für die Universität Antwerpen Grund genug, es gerade zu versuchen! Während im Oktober vor allem die Biochemie beim Brauen betont wurde, konzentrierte sich das Experiment im Jahr 2002 auch auf die Geschichte, die sich hinter dem Brauprozess verbirgt. Die zentrale Frage lautete diesmal: "Wie verlief der alte Brauprozess damals und wie können wir diesen alten Brauprozess möglichst originalgetreu wiederholen?" Die Professoren Bouwen und Clauwaert, Patrik Claes und Ludwig Callaerts fingen an, in die Vergangenheit zu graben, in alten Texten zu stöbern und zu schnüffeln. Gemeinsam mit Prof. Derdelinckx (KUL) tauchten sie, in historischen Fragen von Prof. Van Uytven unterstützt, in alte Rezepte unter. Die vielen Kontakte mit der Brauersfamilie Martens aus Bocholt und die Tatsache, dass die Brauerei Het Anker aus Mechelen 300 Kilogramm Malz zur Verfügung stellen wollte, waren letzte Anstösse für die Verwirklichung des Projektes. Wir möchten uns übrigens bei all diesen Personen bedanken, nicht nur, weil sie uns mit Rat und Tat unterstützt haben, sondern auch weil sie dieses historische Brauverfahren durch kreative Interventionen an modernen Anlagen überhaupt ermöglicht haben. Das Aufschaufeln des geschroteten Malzes im kupfernen Umfeld des Braukessels der Brauerei Het Anker gab uns Zeit, viel Zeit, um nachzudenken, aber worüber? Vielleicht über eine göttliche Erleutung oder einen genialen Einfall. Die Universität Antwerpen betrachtete die ganze Geschichte als Herausforderung und wollte das Projekt, das Geschichte und Wissenschaft in sich vereint, auf jeden Fall verwirklichen. Durch dieses lehrreiche Experiment weiss ich jetzt, dass ein "trubzak" keine Ziehharmonika aus der Provinz Limburg ist, und dass ein Kühlschiff nichts mit dem Antwerpener Hafen oder mit einer Tiefkühlanlage zu tun hat. Pasteur, ein renommierter Wissenschaftler aus dem 19. Jahrhundert, dem die Mikrobiologiekurse viel zu verdanken haben, wies als erster die Existenz von Hefezellen und Bakterien nach. Durch seine ersten Schritte hat sich später herausgestellt, dass das Backen von Brot, das Brauen von Bier und die Herstellung von Wein biochemisch betrachtet einen gemeinsamen Nenner haben: Hefe. Bier kann ausgezeichnet gelagert werden und ist ein gesundes Getränk, das frei von schädlichen Bakterien ist. Neben der Tatsache, dass der dabei entstehende Alkohol das Bier bereits vor einer Verseuchung mit Mikroben schützt, enthält der Brauprozess ausserdem eine lange Kochzeit, die alle vorhandenen Bakterien tötet. Obwohl all dies in der Zeit vor Pasteur nicht bekannt war, wurde diese Tatsache während der Epidemien von Cholera und Pest trotzdem bereits experimentell genutzt, denn man stellte fest, dass die Biertrinker nicht krank wurden. Die Klöster verteilten Bier (die schwereren Sorten behielten sich natürlich für sich) und es wurden Bestimmungen erlassen, in denen die Bevölkerung dazu aufgerufen wurde, anstatt Wasser Bier zu trinken, um so die Cholera und Pest zu bekämpfen ... eine goldene Zeit. Erst viel später folgte dann die Enthüllung dieses wunderschönen Prozesses ... Über all diese Kenntnisse verfügt jetzt die Abteilung Biomedische Wissenschaften: Neben ihrer Rolle beim Klonen von Genen, beim Bestimmen von Eiweiss-Strukturen, beim Entwirren von Krankheitsprozessen, usw. bildet die Biochemie nämlich auch die wissenschaftliche Grundlage für das Brauverfahren, obwohl die Universität Antwerpen bis heute - "leider" behaupten einige - noch keine Abteilung Brautechnologie gegründet hat. So begegnen sich die Biochemie, die Geschichte des 18. Jahrhunderts und die fachmännische Tradition nach Jahrhunderten hier im Paenhuys und zwar in einem historischen Kontext, in einer Tradition, die ihren Ursprung in den vielen Klosterbrauereien findet. Wie Sie vielleicht wissen, nannte sich ein Teil der Universität Antwerpen früher Akademische Fakultät Sankt Ignaz, aber leider hat dieser Orden des Jesuiten sich nur in die Geschichte dieser Materie vertieft. Die Patres bevorzugten reines Wasser, himmlischen Messwein und akademisches Fachwissen. Das Interesse mancher Studenten ist etwas anders geprägt und betrifft eher das Endprodukt oder die praktische Umsetzung des Slogans "Ein mit Liebe gebrautes Bier trinkt man mit Verstand". | ![]() |
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